Alltagsübung – Enthaltsamkeit 1 Kommentar


In vielen religiösen Traditionen ist bewusster Verzicht eine wichtige spirituelle Übung. Ich möchte den Hintergrund dieser Praxis gerne ein wenig genauer betrachten.

Viele unserer „schlechten“ Gewohnheiten sind in Wahrheit Fluchtmechanismen, um uns nicht mit schmerzhaften Gefühlen auseinandersetzen zu müssen. Wenn wir zum Beispiel abfällig über jemanden sprechen, um uns davon abzulenken, dass wir uns minderwertig fühlen. Oder wenn wir einem Gefühl von Sinnlosigkeit oder Einsamkeit entkommen wollen, indem wir uns mit Essen trösten. Wirkliche Befreiung von ungesunden Gewohnheiten besteht meiner Meinung nach nicht darin, sie zu unterdrücken, sondern darin, sie überflüssig zu machen – indem wir lernen, uns dem zu stellen, wovor sie uns bewahren sollen: Unserer Angst, unserer Einsamkeit, unserem Gefühl von Schuld oder Minderwertigkeit oder was auch immer es ist, wovor wir flüchten.

Wähle bitte eine konkrete „schlechte“ Gewohnheit: Zum Beispiel zu viel zu essen oder zu viel Zeit mit dem Checken von E-Mails zu verbringen oder dich über jemanden zu beklagen. Versprich dir selbst, dich für die kommende Woche dieser Gewohnheit zu enthalten. Wenn du spürst, dass dich ein Impuls zu der betreffenden Gewohnheit zieht, handle nicht, sprich nicht und beobachte stattdessen mit Freundlichkeit und Mitgefühl, was geschieht.  

Falls du dein Versprechen brichst, verliere dich nicht in Selbstkritik oder Schuldzuweisung. Erneuere einfach dein Versprechen, jeder Augenblick bietet dir eine neue Gelegenheit, es einzuhalten.

Mein persönliches Versprechen in dieser Woche betrifft übrigens das Schauen meiner momentanen Lieblingsserie. Und es geht nicht um den völligen Verzicht, nur um die eine Folge zuviel, die mich schlecht schlafen und schwer aufstehen lässt. ;)


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Ein Gedanke zu “Alltagsübung – Enthaltsamkeit

  • Andrea

    Danke für diese tolle Übung. Mir gefällt im Besonderen auch die „Anleitung“ wie man diese in den Alltag integrieren kann und der Hinweis zum „Scheitern“.