Formale Praxis – Mitfreude 3 Kommentare


Selbstlose Freude ist in der buddhistischen Tradition eine der vier „unermesslichen Geisteshaltungen“ (Liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut). In unserem täglichen Leben gibt es viele unterschiedliche Gründe, wieso wir keine Freude am Glück anderer empfinden. Zum Beispiel, wenn wir das jeweilige Glück gerne selbst erfahren möchten und ein wenig neidisch sind; auf einen Lottogewinn vielleicht, einen endlich erfüllten Kinderwunsch oder beruflichen Erfolg. Wenn unser Gegenüber das Glück in anderen Dingen findet als wir. Mein Sohn zum Beispiel, der Freude empfindet, wenn er mit seinen Freunden in einem Online Spiel ist, während ich gerne hätte, dass er meine Freude an der Meditation oder der Natur teilt. Manchmal fällt uns die Mitfreude schwer, wenn jemand unserem Rat nicht gefolgt ist und dennoch in der betreffenden Angelegenheit Erfolg hatte – vielleicht wenn eine Freundin glücklich in einer Beziehung ist, von der wir ihr abgeraten haben. Manchmal können wir uns auch nicht mitfreuen, weil wir das unbestimmte Gefühl haben, dass es leichter ist glücklich zu sein, wenn es anderen schlechter geht als uns.

Mit all diesen Verhaltensweisen versuchen wir in letzter Konsequenz unser Glück zu kontrollieren. Mit der aktuellen Übung der Woche gehen wir einen anderen Weg: Wir freuen uns am Glück anderer Menschen.


Beginne die Übung, indem du an einen Menschen denkst, den du magst und mit dem du dich leicht mitfreuen kannst.  Mache dir bewusst, was diesem Menschen Freude bereitet. Suche nicht nach absoluter Glückseligkeit, sondern nach den kleinen Freuden des Lebens. Freue dich mit diesem Menschen und wünsche ihr/ihm, dass dieses Glück andauern möge.  Dann gehe über zu jemanden, der eine neutrale Position in deinem Leben einnimmt. Im letzten Schritt empfinde Mitfreude mit jemandem, der nicht deine Sympathie hat. Praktiziere dies für einige Tage und beobachte erwartungslos, ob Mitfreude dein Glück weniger werden lässt oder ob es sich vergrößert.



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