Alltagsübung Nr. 31: Gegenwärtigkeit


Für die kommende Woche möchte ich dich bitten, einer Alltagsübung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es geht bei ihr um die Gegenwärtigkeit, die eines der Tore zur bedingungslosen Freude ist.

Solange unser Leben vom Denken beherrscht wird, sind wir selten zufrieden mit dem, was gerade ist, weil es meist nicht unseren Idealen entspricht. Stattdessen drängen wir in eine Zukunft, in der unsere Ideale Realität geworden sind. Dieses Verhalten kann so zur Gewohnheit werden, dass wir so gut wie nie gegenwärtig sind und unser ganzes Leben in einer ständigen „Warte-Haltung“ verbringen. Mit dieser Lebensweise verlieren wir jedoch die Daseinsfreude, denn sie entsteht nur im Augenblick.

Wenn wir Yoga üben oder meditieren, beruhigt sich unser Denken und wir werden ganz von selbst gegenwärtiger und zufriedener. Mit der Übung der Woche kannst du die Gegenwärtigkeit zusätzlich stärken, indem du – wann immer es dir spontan einfällt, für einen Augenblick nach innen spürst, ob du dich gerade in einer „Warteposition“ befindest. Vielleicht entdeckst du ein großes Warten, wie: „Wenn das Kind endlich aus dem Gröbsten heraus ist, dann…“ oder „Wenn ich erst mein Studium fertig habe, dann…“, Vielleicht erspürst du ein kleines Warten, wie: „Wenn ich erst diese oder jene Arbeit erledigt habe, dann…“. Was ihnen allen gemeinsam ist, ist das unterschwellige Gefühl, erst glücklich sein zu können, wenn etwas Bestimmtes geschehen ist.

Verurteile dich nicht für diese Haltung, sondern umarme sie liebevoll mit deiner Achtsamkeit, denn es ist der gut gemeinte Versuch deines Denkens, dein Glück zu kontrollieren. Diese liebevolle Annahme reicht – gemeinsam mit dem Wissen um die Zusammenhänge – meist aus, um das Denken seiner Verantwortung zu entheben und dich in den Augenblick zurückzuholen.

Und wenn du in der Gegenwart angekommen ist, halte ihr stand – ihrer Durchschnittlichkeit, ihrer Schönheit, ihrer Schmerzhaftigkeit. Sobald dir dies gelingt, flackert die Freude am Sein auf, die bedingungslose, reine Daseinsfreude. Und mit jedem Moment, in dem dir dies erneut gelingt, wird sie heller und stetiger leuchten.

Die einzig wirkliche geistige Übung ist dem Jetzt freundlich gegenüberzutreten! (Eckhart Tolle)

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