Übung Nr. 4 – Das Warten beenden 6 Kommentare


Solange unser Leben vom Denken beherrscht wird, streben wir ständig in eine Zukunft, in der unsere Ideale Realität geworden sind. Die folgende Übung lässt dich im Augenblick ankommen und öffnet dir so ein Tor zur Daseinsfreude.

Wann immer es dir einfällt, nimm wahr, ob du dich gerade in einer „inneren“ Warteposition befindest. Vielleicht entdeckst du ein großes Warten, wie: „Wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind, dann…“. Vielleicht erspürst du ein kleines Warten, wie: „Wenn ich erst diese Arbeit erledigt habe, dann…“. Gemeinsam ist ihnen das unterschwellige Gefühl, erst glücklich sein zu können, wenn etwas Bestimmtes geschehen ist. Sobald du dir dessen bewusst wirst, bist du frei, um in den Augenblick heimzukehren. Im zweiten Schritt geht es darum, dem Augenblick standzuhalten – seiner Durchschnittlichkeit, seiner Schönheit, seiner Schmerzhaftigkeit.

Als ich mit dieser Übung begonnen habe, ist mir aufgefallen, dass ich fast immer in einer Warteposition bin. Meist war es nicht einmal ein gezieltes Warten auf etwas Bestimmtes, es war mehr eine subtile Hintergrundschwingung. Zur Zeit lese ich gerade ein Buch meiner Lieblingsautorin Pema Chödrön, die diese Erfahrung mit ihren Worten folgendermaßen beschreibt: 

„Wir denken, dass diese Unfähigkeit oder dieser Widerwille, eine Entschleunigung zuzulassen von außen kommt und daher rührt, dass wir so viel zu tun haben. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich etwas anderes entdeckt habe, als ich drei Jahre lang in die Stille gegangen bin. Ich saß in einem kleinen Zimmer mit Blick über den Ozean und hatte alle Zeit der Welt. Ich saß schweigend da und meditierte, und dann pflegte mich ein mulmiges Gefühl zu überkommen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit der Meditation schnell fertig werden musste, um etwas Wichtigeres zu tun. Damals begriff ich, dass dies bei uns allen eine tief eingefleischte Gewohnheit ist. Wir wollen ganz einfach nicht voll und ganz präsent sein“. Aus: Pema Chödrön: Den Sprung wagen


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6 Gedanken zu “Übung Nr. 4 – Das Warten beenden

  • Doris Aitzetmueller

    Wie wahr !!!

    Ich wünsche mir oft, nicht so viel um die Ohren zu haben und wenn es dann so weit ist, ist es auch nicht immer gut !!!

    Und Warum ?
    Weil die Präsenz und die Freude des Augenblicks abhanden kommt.

    Von Herzen
    Doris

    • Gilda Autor des Beitrags

      Liebe Doris,
      Zu beobachten, dass wir sowieso immer aus dem Augenblick flüchten, ist der wichtigste Schritt zur Präsenz. Und wenn es uns dann noch gelingt, uns nicht dafür zu verurteilen, sondern freundlich und mitfühlend mit uns umzugehen, machen wir den zweiten Schritt. Das sind die beiden Flügel, die uns zur Daseinsfreude tragen.
      Alles Liebe! Gilda

  • Andrea Aichinger

    Liebe Gilda,

    Seit ein paar Wochen lese ich den Newsletter und ich habe mir auch die Karten besorgt. Ich finde die Übungen sehr gut. Leider denke ich noch zu selten daran.
    Ein tolles Service – Danke

    • Gilda Autor des Beitrags

      Liebe Andrea,
      Das macht gar nichts, wenn du auch nur manchmal daran denkst, ist es gut. Ich kann mich erinnern, dass ich mir zu Beginn eine Tagesübung ausgesucht habe und das nächste Mal, als ich an sie gedacht habe, war es Abend. :)
      Als kleine Tricks und Erinnerungshilfen kannst du dir einen Achtsamkeits-Timer fürs Handy besorgen (zB Mindbell für Android oder Mindfulness Bell für ios), die erinnern dich dann mit einem dezenten Gong an die Übung. Da du ja auch die Karten hast, kannst du dir die aktuelle Karte einfach an den Bildschirm klemmen oder stell sie auf den Tisch stellen. Sei einfach spielerisch und erfindungsreich.
      Mit der Zeit fallen dir die Übungen dann ganz spontan ein.
      Viel Freude beim Praktizieren, Gilda