Das Schöne stärken


Unser Gehirn ist so konzipiert, dass sich negative Eindrücke 3-mal stärker einprägen als positive. Wir merken uns zum Beispiel nicht, dass jemand dreimal höflich zu uns war, sondern erinnern uns an die eine Unhöflichkeit. Diese, von der Wissenschaft „negative Verzerrung“ genannte, Eigenschaft hatte im Laufe der Evolution absolut Sinn. In der heutigen Zeit ist sie aber eher hinderlich, ähnlich Verhaltensmustern, die wir uns in unserer Kindheit als Schutz zugelegt haben und die wir als Erwachsene beibehalten, obwohl sie uns hemmen und oft sogar Leid verursachen.

Glücklicherweise können wir unser Gehirn ebenso trainieren wie unsere Muskeln und so die Balance wieder herstellen.

Nimm dir in der kommenden Woche jeden Tag ein wenig Zeit für einen kurzen Spaziergang. 

Sei möglichst offen und neugierig und achte auf Sinneseindrücke, die dir Freude bereiten. Lass dir dabei Zeit und betrachte immer nur eine Sache nach der anderen – Dinge, die du siehst, hörst, riechst oder fühlst. Eine Frühlingsknospe, ein warmer Sonnenstrahl, der Geruch der feuchten Erde, ein schöner Stein, der Gesang eines Vogels… Genieße die jeweilige Erfahrung ganz bewusst, gib ihr so viel Aufmerksamkeit, als wäre sie die einzige Sache auf der Welt. Spüre, wann du weitergehen möchtest und beobachte neugierig, welche kleine Freude die Welt als nächstes für dich bereithält. Sei wie eine Biene, die von Blüte zu Blüte fliegt.

Falls du dir dabei ein wenig seltsam vorkommst, mache dir bewusst, dass es nicht darum geht, eine rosarote Brille aufzusetzen, sondern den vielen positiven Dingen im Leben mehr Aufmerksamkeit zu schenken und so die negative Verzerrung auszugleichen. Du kannst es gerne wie ein wissenschaftliches Experiment sehen. Nimm einfach wahr, wie du nach diesem kurzen Spaziergang fühlst: Hat sich deine Stimmung gehoben? Hast du Dinge wahrgenommen, die du sonst vielleicht übersehen hättest? Wenn wir diese Übung zu einer Gewohnheit werden lassen, hat sie das Potential, unsere Lebenshaltung grundlegend zu verändern. 

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