Mitgefühl statt Angst


Die aktuelle Situation bietet – wie jede andere Situation im Leben – zwei Möglichkeiten: Wir können unser Herz verschließen oder es öffnen. Da ich nicht nur Meditationslehrerin, sondern auch Mikrobiologin bin, möchte ich mit dem folgenden Text gerne Wissenschaft und Spiritualität verbinden und uns alle dazu motivieren, uns mehr von Mitgefühl statt von Angst leiten zu lassen.

Der Unterschied des  aktuellen COVID-19 Ausbruchs zu einer „gewöhnlichen“ Grippewelle besteht darin, dass es keine Medikamente und Impfstoffe gibt und das Virus sich aufgrund seines verstärkten Auftretens in den oberen Atemwegen rascher verbreitet. Dadurch besteht eine reale Gefahr, dass unser Gesundheitssystem überlastet wird und nicht genügend Versorgungsplätze für schwer Erkrankte zur Verfügung stehen.

Erfahrungsgemäß ist eine Epidemie durch einen neuen Erreger erst rückläufig, wenn etwa 60-70% der Bevölkerung infiziert wurden und dadurch Immunität aufgebaut haben. Vier von fünf Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert werden, weisen keine oder nur leichte Symptome auf. Bei einem dieser Menschen verläuft die Erkrankung schwerer. Abhängig von dessen Alter und eventueller Vorerkrankungen kann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich werden.

Das Ziel der aktuellen Maßnahmen für die Allgemeinbevölkerung liegt also primär darin, die Ausbreitung zu verlangsamen. So behält das Gesundheitssystem die Ressourcen, um all jene, die schwer erkranken, bestmöglich zu versorgen. Zugleich gewinnt die Wissenschaft Zeit, um Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln. 

Unsere Motivation für die nächsten Wochen sollte also Mitgefühl und nicht Angst sein. Wenn jeder von uns hineinspürt, findet wir sicher viele Möglichkeiten, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen oder jemandem direkt zu unterstützen. Statt zum Beispiel Hamsterkäufe zu machen, könnten wir uns fragen, ob in unserem Umfeld ältere Menschen sind, für die wir einkaufen gehen können. Vielleicht gibt es bei genauer Prüfung noch soziale Aktivitäten, auf die wir verzichten können. Vielleicht können wir mit dem Rad statt mit dem Bus fahren oder jemanden bei der Kinderbetreuung unterstützen… Selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist, ist es ein Schritt aus der Angst ins Mitgefühl und damit für jeden einzelnen ebenso heilsam wie für die Welt.

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