Übung Nr. 5 – Tonglen


Mit den Übungen der letzten beiden Wochen (dem Mitfühlenden Verweilen und der Atemachtsamkeit) haben wir die Basis für das Tonglen geschaffen. Diese Übung ist herausfordernd, aber auch unglaublich wirksam. Es geht bei ihr darum, sich dem eigenen Leid und dem Leid der Welt zu öffnen. Dies sprengt den Panzer, den wir um unser Herz gelegt haben und schenkt uns Mitgefühl und Freude.

Spüre nach innen, ob du ein kleines oder großes Leid, wie Traurigkeit, Groll, Unzufriedenheit, Einsamkeit oder körperlichen Schmerz wahrnimmst. Nun atme den jeweiligen Schmerz in den weiten Raum deines Herzens – im Bewusstsein, dass unzählige Menschen dasselbe Leid erfahren. Für diese Menschen/Wesen ist die Situation vielleicht eine andere, aber die Gefühle sind dieselben. Dann atme aus, was allen Wesen im selben Boot Erleichterung bringen würde – Freude, Offenheit, alles, was du als hilfreich empfindest. Wenn du nicht genau weißt, was gerade hilfreich wäre, atme einfach Raum aus. Achte dabei darauf, die Einatmung und Ausatmung gleich lange dauern zu lassen; vielleicht möchtest du sie auch etwas vertiefen, denn dies vergrößert unsere Fähigkeit, Unangenehmes aufzunehmen und Weite, Güte, Liebe und Heiterkeit auszuatmen.

Wie beim Mitfühlenden Verweilen kann es sein, dass unangenehme Empfindungen auftauchen, die dir das Weiterführen der Praxis schwierig oder unmöglich machen. In diesem Fall wechsle zu dem jeweiligen Gefühl – der Angst, dem Unwohlsein, dem Gefühl des Versagens – und atme es ein; mache dir bewusst, wie viele andere Menschen gerne ihr Herz öffnen würden und es gerade nicht können; mit der Ausatmung sende aus, was dir und allen anderen helfen könnte. Wenn dir auch dies schwerfällt, gehe einfach über zur reinen Sitzmeditation oder der Übung der Liebenden Güte – ohne eine große Sache daraus zu machen. ;)

Diese Grundvariante des Tonglen nimmt den eigenen Schmerz als Basis. In weiterführende Varianten können wir das Tonglen auch mit dem Schmerz anderer  Wesen praktizieren. Jede Variante des Tonglen ist dazu geschaffen, um sie in den Alltag mitzunehmen. Finde einfach deine ganz individuelle Form dieser wunderbaren Praxis.

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